Die "Ahnengalerie"

Gründergeneration

Leonhard Ragaz (Religiös-Sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz)

 

Leonhard Ragaz (1868-1945) war Pfarrer in Chur und Basel, bevor er in Zürich Professor für systematische und praktische Theologie wurde. Er engagierte sich schon früh für die Arbeiterbewegung – der christliche Glaube sollte auch im Alltag konkrete Auswirkungen haben. 1921 trat er von seinem Lehrstuhl zurück und wirkte als Gemeindepfarrer im Zürcher Kreis 4, wo er, zusammen mit seiner Frau Clara, auf christlicher Basis Theologie und Sozialismus praktizierte. Er ist einer der Begründer der Zeitschrift Neue Wege.

Clara Ragaz-Nadig (Religiös-Sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz)

 

Clara Ragaz-Nadig (1874-1957) war ursprünglich Lehrerin und hat sich zeitlebens stark für Frauenfragen eingesetzt. Sie war Pazifistin und überzeugt, dass Friede ohne die Frauen nicht möglich ist. 1901 heiratete sie Leonhard Ragaz, mit dem sie von 1921 - 1957 an der Gartenhofstrasse lebte und gemeinsam viel geleistet hat für die Vernetzung sozialistischer Strömungen. 1929-1946 war sie Vizepräsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, deren Schweizer Sektion sie mitbegründet hat.

Martin Buber (Religiös-Sozialistische Vereinigung der Deutschschweiz)

 

Martin Buber (1878-1965) war ein jüdischer Religionsphilosoph, der schon früh vor den Nazis nach Israel floh. Er verstand sich als religiöser Sozialist und war überzeugt, dass eine sozial gerechte Gesellschaft der Wille Gottes sei, dass Menschen aber dazu beitragen müssen. Mit seinen dialogischen Ideen – das Ich entsteht am Du – hat er eine Verhaltensbasis für den Alltag gelegt, in dem religiöser Sozialismus möglich wird. So wichtig wie die Gemeinschaft erschien ihm die Abschaffung grosser Einkommens- unterschiede.

Religiös-sozialistisch engagierte Persönlichkeiten

 

Dorothee Sölle (1923-2003) war eine deutsche protestantische Theologin und weltbekannte Literatin und Dichterin, die zeitlebens eine Friedensaktivistin und Verfechterin einer politischen Theologie war. Durch ihre Publikationen und Auftritte, insbesondere immer wieder an den Deutschen Kirchentagen, sprach sie ein sehr grosses Publikum an. An der innigen Verbindung zwischen politischem Engagement und christlichem Auftrag, Mystik und Widerstand, hat sie unbeirrt festgehalten. Anlässlich ihres Todestages 2023 wurde ihr ein ganzes Heft der Zeitschrift "Neue Wege" gewidmet. 

 

Hans Heinrich Zürrer (1918-2015) hat sich nach dem Theologiestudium einer CVJM-Mission angeschlossen und 1944 Gefangenenlager in Deutschland besucht. Er erlebte die Bombardierung Danzigs und sah auf dem mühsamen Weg zurück in die Schweiz das ganze Grauen von Krieg und Vernichtung. Sein Leben lang setzte er sich als entschiedener Pazifist für Frieden und Gewaltfreiheit ein, ging als Dienstverweigerer ins Gefängnis und erhielt von der reformierten Zürcher Kirche ein Berufsverbot als Pfarrer. Hans Heinrich und seine Frau Berthel hatten ein offenes Haus und lebten ihr Friedensengagement in einer sehr klaren, aber nie lauten oder besserwisserischen Art. Hansheiri Zürrer nahm bis ins hohe Alter an Ostermärschen teil.

 

Hanna Schilt-Urech (1917-2011) war Haus-angestellte, Waschfrau und Arbeiterin. Sie kämpfte     für die Rechte der Arbeiterschaft, nahm an Demonstrationen teil, hielt Vorträge und Predigten im Emmental und versuchte Christentum und Sozialismus zu verbinden. Sie war Mitglied der schweizerischen evangelischen Synode. Durch die Aufzeichnungen von Judith Giovanelli-Blocher wurde sie im bereits hohen Alter einer weiteren Öffent-lichkeit bekannt.

Hanni Schilt: Es wär’ noch Zeit, etwas zu wagen. Hanni Schilt erzählt ihr Leben, nach Tonband-Protokollen aufgezeichnet von Judith Giovanelli-Blocher. Sae’dition, Biel 1994.

... von damals bis heute

 

Leni Altwegg (1924-2019) studierte evangelische Theologie auf dem 2. Bildungsweg und wurde als eine der ersten Frauen im Kanton Zürich zur Pfarrerin ordiniert. Sie widmete sich seit den 70er Jahren der Anti-Apartheid-Bewegung und stand in engem Kontakt mit wichtigen Personen dieser Bewegung, insbesondere auch auf kirchlicher Seite, wie beispielsweise Beyers Naudé. In den "Neuen Wegen" erschienen immer wieder Beiträge von und mit Leni Altwegg, so ein Gespräch mit Matthias Hui, Neue Wege 11 (2018).

 

Fulbert Steffensky (*1933) ist im Saarland aufgewachsen und studierte katholische und evangelische Theologie. Fulbert Steffensky wurde danach Benediktinermönch, verliess nach 13 Jahren das Kloster, heiratete die Theologin Dorothee Sölle und konvertierte 1969 zum evangelisch-lutherischen Glauben. Er war bis 1998 Professor für Religionspädagogik in Hamburg. In zahlreichen Publikationen hat Fulbert Steffensky die tiefe Verbindung und gegenseitige Angewiesenheit von Sozialismus und Frömmigkeit ergründet, immer mit Bezug auf die biblischen Texte.

 

Louise Schneider (*1931) ist als Tochter eines sozialistischen Arbeiters und Gewerkschafters in Neuenegg BE aufgewachsen und suchte stets einen aufrechten Gang in politischen und sozialen Fragen. Sie ist der GSoA , der Kirche, dem religiösen Sozia-lismus und der Befreiungstheologie verbunden und sie sammelte Unterschriften, solange sie noch mobil war. Louise Schneider wurde berühmt, als sie mit 85 Jahren ein Baugerüst der Nationalbank auf dem Berner Bundesplatz mit dem Slogan "Geld für Waffen tötet" besprühte. Von Annemarie Sancar erschien das Buch: Immer für den Frieden. Louise Schneider, 2025.